Westhausen Sankt Mauritius 2017-01-26T00:27:45+00:00

Pfarrkirche St. Mauritius in Westhausen

Eine frühklassizistische Kirche mit üppiger Ausstattung, die man bei ihrem schlichten Äußeren nicht vermuten würde

Von Meisterhand erbaut

Die Westhausener Pfarrkirche wurde 1780 vom Deutschritterorden erbaut nach Plänen des Baumeisters Michael Keller (1721-1794), Stadtbaumeister in Schwäbisch Gmünd. Neben dieser Kirche baute er unter anderem auch das Rathaus und das Stadtschlösschen in Schwäbisch Gmünd, die evangelische Stadtkirche in Aalen und die Wallfahrtskirche in Unterkochen.

Vorgängerkirchen standen an gleicher Stelle schon ab dem frühen Mittelalter. 1330 bekam Westhausen die Pfarreirechte, 1363 ging die damalige Kirche in den Besitz des Deutschen Ordens über. Um 1500 entstand eine kleine spätgotische Kirche, die geostet war (der Chor zeigte zur Dalkinger Straße). Von dieser Kirche stammt noch der heutige Turm, jedoch hat sein Dachhelm beim Neubau 1780 eine neue Form bekommen. Der Chorraum wurde im Zuge dessen nach Norden gerichtet, da der Platz, an dem die alte Kirche stand, zu klein war für eine ebensolche Ausrichtung des neuen Baus, der mit einer Grundfläche von 30 x 16 m nun doppelt so groß war wie sein Vorgänger. Die Weihe erfolgte am 28. Oktober 1781.

Zuletzt erhielt die Pfarrkirche St. Mauritius 1986/87 eine Außenrenovation mit neuer Dacheindeckung (Kosten: 1 200 000,- DM) und 1990 eine Innenrenovation mit einer Neugestaltung des Altarraums und dem Einbau eines Windfangs (Kosten: 900 000,- DM).

Die Pfarrkirche St. Mauritius von Nordosten aus gesehen

Pfarrkirche St. Mauritius
Kirchplatz 9
73463 Westhausen

Das Hauptportal

Der Erbauer, der Deutsche Orden, hat sich hier besonders verewigt: Die Rundbogentüre ist umrahmt von einem Barockgesims, zarten Pilastern und Zopfkapitellen. Beherrschend ist das Wappen des Hochmeisters Herzog Karl von Lothringen, flankiert von prächtigen Adlern, deren Brust das Doppelkreuz ziert. Darunter Kanonenrohre, Trompeten, Pauken und Kanonenkugeln. Links steht das Wappen des Landkomturs Franz von Lehrbach und rechts das Wappen des Kapfenburger Komturs Rudolph von Werdenstein. Eine mächtige Steinkrone überwölbt diese Ornamente und gibt einen majestätischen Abschluss.

Die Inschrift über der Eingangstür lautet: „Unter der Regierung Carls von Lothringen, auf Geheiß Franz von Lehrbachs und mit Unterstützung durch Rudolph von Werdenstein wurde ich erbaut.“ Einzelne lateinische Buchstaben sind als große Initialen in Gold herausgehoben. Sie ergeben im Zahlenwert zusammengestellt die Jahreszahl der Erbauung 1780.

Die Innenausstattung

Der große Kirchensaal ist mit flacher Tonne gedeckt, verziert mit zartem klassizistischem Stuckmarmor.

Die Altäre

Die Haupt- und Nebenaltäre aus Stuckmarmor wirken noch fast barock, haben jedoch bereits die strenge, reduzierte Formensprache des Klassizismus.

Der Hochaltar, der mit korinthischen Pilastern geschmückt ist, zeigt ein Bild des Kirchenpatrons St. Mauritius, wie er den Treueid auf seinen Glauben gibt und den anderen Göttern absagt.

Das Hochaltarbild mit Darstellung des Hl. Mauritius

Darüber ist ein bemerkenswertes Flachrelief mit der Darstellung der Krönung Mariens zu sehen.

Der linke Seitenaltar ist ausgestattet mit einem Bild des Hl. Nikolaus von Myra, das aus der Vorgängerkirche stammt und an die ehemalige Nikolaus-Kaplanei erinnert. Der rechte Seitenaltar zeigt eine Darstellung der Heiligen Familie von Kunstmaler Erich Körner aus Ellwangen aus dem Jahr 1950.

Der Altarraum

Der Altarraum wurde 1990 neu gestaltet. Zelebrationsaltar und Ambo fertigte Steinbildhauer Josef Schäble aus Nordhausen aus heimischem Jura-Travertin. Anliegen des Künstlers war es, zur Festlichkeit der Gottesdienste, der kraftvollen Worte der Liturgie und des Evangeliums einen schlichten Altar und Ambo als ruhende Pole zu schaffen.

Relief am Hochaltar: Krönung Mariens

Deckengemälde

Die jetzige Ausmalung erfolgte bei der Renovation 1950 durch Erich Pörner. Über dem Chor ist Christus als Weltenrichter dargestellt, dem Papst, Fürstprobst und Gläubige aus der Gemeinde huldigen.

Das Bild im Kirchenschiff zeigt das historische Ortsbild Westhausens, darüber Maria, den Mond unter ihren Füßen, gekrönt mit 12 Sternen; rechts die Wallfahrtskirche Schöneberg bei Ellwangen.

Madonna mit Kind

Die fast lebensgroße Madonna an der linken Seite des Chorbogens ist ein spätgotisches Meisterwerk aus der Zeit um 1430/1440. Sie befand sich bis Mitte des vorigen Jahrhunderts in der Kirche St. Stephanus in Jagsthausen.

Vesperbild / Pieta

Die Pieta, deren Entstehungsdatum unbekannt ist, kam 1749 in die Pfarrkirche. Vorher zierte sie als Wallfahrtsbild die Schlosskapelle in Wagenhofen.

Statue des Hl. Mauritius

Der Heilige ist dargestellt in Ritterrüstung und steht an der rechten Chorbogenseite. Diese Figur wurde erst 1990 im Grödnertal in Südtirol gefertigt und schmückt seither die Pfarrkirche.

Grabplatten

An den Seitenwänder der Kirche innen und außen erinnern Grabplatten an Priester, Stifter und Amtsherren. Neben dem Nikolausaltar befindet sich die Grabplatte der Agnes Westhausen, des letzten Glieds des Adelsgeschlechtes der „Herren von Westhausen“, die unverheiratet und ohne Nachkommen verstarb, vorher aber der Kirche und Gemeinde große Besitzungen vermachte.

Orgel

Das Gehäuse der Orgel auf der zweiten Empore stammt aus dem Jahr 1898. 1974 wurde es von der Firma Reiser, Biberach, komplett neu ausgestattet mit 2 Manuellen und 1550 Pfeifen.

Geläute

Das fünfstimmige Geläut wurde 1955 bei der Firma Bachert in Heilbronn gegossen. Die Glocken wiegen zwischen 200 und 1700 kg und sind auf die Hl. Dreifaltigkeit, die Hl. Maria, den Hl. Michael und den Hl. Mauritius geweiht. Die kleinste ist die Taufglocke.

Die 1990 gefertigte Figur des Hl. Mauritius

Für immer gültig:

Römer 8,28 - also genießen Sie Ihren Tag!